PUERTO MADRYN
GAIMAN
Wenn man sehr früh morgens in die Stadt Gaiman fährt, 17 Kilometer westlich von Trelew, kann man das intensive Aroma des frisch gebackenen Brotes wahrnehmen. Die Stadt bietet einen reizenden Anblick mit einer typischen Konstruktion aus Steinen und Ziegeln unter einem strahlend blauen Himmel.
Die Plätze und Gärten; die ruhigen Strassen, aufgrund des kaum spürbaren Verkehrs; der Fluss, welcher die Stadt durchquert, und die mit goldenen und rötlichen Büschen besetzte Landschaft verschönert; all diese reizvollen Bilder laden den Besucher zu einem Spaziergang durch die Stadt ein, um die Kultur und Traditionen der alten Bevölkerung kennenzulernen, die diese immer noch bewahren und praktizieren.
Wenn man durch die malerischen Strassen läuft, kann man der Verlockung nicht wiederstehen sich in eines der Teehäuser zu setzen und den traditionellen walser Tee zu versuchen. Dies wird zu einer wahren Gaumenfreude, denn die Gastgeber machen ihre Aufgabe zu einer Kunst.
Der Tee wird nach alten Normen zubereitet, dem noch ein einzigartiger Geschmack und Perfum zugesetzt wird. Und selbstverständlich ist auch das Porzelan, in dem der Tee serviert wird, von feinster Qualität.
Nicht selten kann man darunter wahre Museumsstücke entdecken, die unter den Besuchern ein besonderes Gefühl erwecken.
Der ursprüngliche Name Gaimans stammt aus der indigenen Sprache und bedeutet "Schleifstein" oder "Steinplatz".
Gaiman liegt im unteren Tal des Flusses Chubut. Hier befindet sich die Hauptfabrik für die Industrialisierung von Meeresalgen.
Gaiman war die erste Gemeinde von Chubut. Seine Autoritäten übernahmen ihr Amt am 14. August 1885. Während mehrerer Jahrzehnte war es das einflussreichste Zentrum der Kolonie aufgrund seiner landwirtschaftlichen Produkte.
Es war auch die Wiege der ersten Kooperative in Patagonien und vielleicht die dritte in der Republik Argentinien.
In seinem städtischen Ejido wurden die besten Techniken für den Anbau entwickelt. Zu Beginn der Kolonialisierung waren die Felder am Ufer des Flusses die wichtigste wirtschaftliche Stütze. Hier wurden Weizen, Gerste, Futterpflanzen und anderes Gemüse angebaut.
Heute bietet Gaiman ein breites Spektrum an Unterkunftsmöglichkeiten und an gastronomischen Betrieben.
WAS KANN MAN IN DER SATDT BESICHTIGEN?
In der Stadt heben sich die Kapellen hervor. Sie bildeten zu Zeiten der Kolonie das soziale Zentrum. Viele Aktivitäten der Gemeinde wurden dort geplant und entschieden.
Die Architektur spiegelt sich in den alten Kolonialhäusern wieder, welche dank der Gemeinde der Stolz der Ortsansässigen sind und auch von den Besuchern bewundert werden.
Wenige Schritte vom Platz Julio A. Roca entfernt, befindet sich das erste Gebäude dieser Ortschaft, das von Davis D. Roberts im Jahre 1874 konstruiert wurde. In diesem Haus wurde der erste weisse Mann von Gaiman geboren, Idris Dewi Roberts.
Gegenüber des Gemeindeamtes befindet sich das Denkmal von Christopher Columbus, das aus einem Stein dieser Region hergestellt wurde. Es wurde am 5. Mai 1893 eingeweiht (man versichert, dass es das erste Denkmal von Chrisopher Columbus in Südamerika sei). Auf den vier Seiten findet man Legenden in verschiedenen Sprachen: Spanisch, italienisch, walisisch und englisch.
Das regionale walser Museum stellt Objekte aus der Kolonialzeit aus.
Ein weiteres grosses Werk ist die Kapelle "Bethel", die von einer dichten Allee am Ufer des Flusses umgeben ist.
Etwas weiter weg, am Rande der Meseta, befindet sich der rätselhafte und beeindruckende Tunnel der ehemaligen patagonischen Eisenbahn (1914). Er hat eine Länge von mehr als 200 Meter und eine besondere kurvige Form. Er öffnet seine Schlund hin zu den Besuchern und gilt als stummer Zeuge einer Epoche, als in seinem Inneren die Eisenbahn die Hoffungen und Erwartungen der Bevölkerung entgegen brachte.
Andere wichtige und interessante Plätze dieser Gemeine sind:
- Das regionale Museum, welches sich in der ehemaligen Eisenbahnstation befindet.
- Die Bibliothek Ricardo J. Berwin.
- Das exzentrische Haus des Museums der Wiederverwertung, welches fantastisch geschmückt wurde.
DIE ZEREMONIE DES TEES
Gaiman ist ein exzellentes Zentrum des tratitionellen Teerituals.
Der Geheimnis eines ausgezeichneten Geschmackes liegt in der guten Mischung verschiedener Teesorten, die aus Indien in den sogenannten Tea Clipern eingeführt wurden. Tea Cliper waren Boote auf denen der Tee transportiert wurde.
Die Mimosa war eines jener Boote, welches später in ein Passagierschiff umgewandelt wurde, als die walser Kolonien in Liverpool an Bord gingen und an ihrem Ziel, in Patagonien, begannen die Länder zu kultivieren.
Die Tradition des Tees hat sich seit der Ankunft der Siedler in diesem Tal erhalten.
Was sich zu Beginn auf eine unumgängliche Zeremonie beschränkte und nur in Familien oder im Freundeskreis geteilt wurde, gab den Anstoss dazu die ersten spezialisierten Häuser zu gründen, welche ihr Service auf die nahegelegenen Nachbarschaften und die Touristen ausdehnten.
Der Ruhm dieser Teehäuser verbreitete sich in der ganzen Welt und heute werden sie sowohl von Argentiniern als auch von Ausländern besucht, die alle die traditionellen walser Konditoreien kennenlernen möchten.
Die Teesaloons sind mit alten Stücken geschmückt, welche aus Wales eingeführt wurden und von den ersten Siedlern aufbewahrt wurden.
Hervorragende Häckelarbeiten zeigen uns die Geschicklichkeit jener Frauen, die gemeinsam am Kamin sassen und während des Häckelns mit Melancholie an die ferne Heimat und die zurückgebliebenen Liebsten dachten.
In diesem gemütlichen Zimmer hört man leise das Murmelen der Leute, die um den gedeckten Tisch sitzen.
Das klassische und feine Geschirr ist das vollendende Detail auf dem gedeckten Tisch, während die Gastgeber mit freundlicher Aufmerksamkeit darauf achten, dass es dem Besucher an nichts fehlt und er sich wohlfühlt.
Alles ist perfekt zubereitet. Das morgentliche, geschäftige Treiben in der Küche bringt herrliche Früchte hervor: eine schwarze Torte, eine Torte mit Apfelcreme, Zitronenkuchen, Butter und hausgemachte Süssigkeiten, frisch Brötchen, die im Holzofen gebacken wurden und noch viele weitere Süssspeisen, welche den vorzüglichen Tee begleiten.
Heute ist es üblich dem traditionellen Tee am Tag des "Gwyl und Glaniad" (Fest der Landung) am 28. Juli jeden Jahres beizuwohnen. Er wird in jenem Bereich serviert, wo jeden Sonntag gebetet wird.
KUNST UND GESCHICHTE IN GAIMAN
Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt der walser Nachkommen ist ihr hervorragender Chorgesang. Es überrascht wie die Mitglieder der Gemeinschaft spontan vierstimmig die Partituren ihrer alten Hymnen lesen und singen.
Seit den ersten Tagen der keltischen Rasse wird uns eine einzigartige kulturelle Tradition näher gebracht. Der Eisteddfod (vom Verb eisted = sich setzen) stammt von den geheimen Zusammenkünften der Druiden. Dieser Brauch zeigt sich heute in Chubut in Form eines Festes der Poesie, des Chorgesanges, der Prosa und anderen Künsten.
Unter den vielen Facetten hebt sich die Zeremonie der Krönung des Barden hervor und der Gebrauch der alten walser Sprache sowohl für die Wettkämpfe als auch für die Kommunikation.
In Gaiman ist die Liebe zur Kunst intakt geblieben; so kann es also nicht verwundern, dass von dort die besten Chorgesänge und auch Dichter, Musiker und Schriftsteller kommen.
Die Schule "Camwy" (1906) ist neben seiner ausgezeichneten Erziehung die treibende und repräsentierende Institution für die wichtigsten Events, wie der "Eisteddfod der Jugend", ein uraltes Fest, welches eine touristische Attraktion ist und kulturellen Austausch bietet.
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